DAS ABENTEUER STARTET ODER WIE ALLES BEGANN  
     
  TANGER, 27.01.2008  
     
 

Kafka soll mal gesagt oder geschrieben haben: "An einem gewissen Punkt angelangt, gibt es kein Zurück mehr. Das ist der Punkt, der erreicht werden muss.“ Erreicht habe ich diesen Punkt im Sommer 2007, als ich mich definitiv entschied meine Afrikareise zu machen. Mit dem Auto. Wenn nötig alleine. So wirklich gecheckt, dass ich diesen Punkt erreicht habe, habe ich erst im November 2007. Und die Konsequenzen davon, werden mir wohl erst jetzt langsam bewusst. Tja. So ist das Leben, wenn man sich auf der langsamen Seite davon befindet...

Nun. Ich bin jetzt da. In Afrika. Mit dem Auto.  Alleine. Wie konnte es soweit kommen?

Wenn ich das wüsste: Auto gekauft. Mein Traumauto für diese Reise. Ein Toyota LandCruiser HZJ75 (das Buschtaxi. Dies sagt wohl einigen von euch nichts. So erging es mir auch vor noch nicht allzu langer Zeit. Aber die, die wissen...), auch genannt „Bussli“ oder „Karre“ (wobei dann meistens wohl: Sch...-karre). Und die Zeit verstrich. Und sie verschwand. Also ihr müsst euch das in etwa so vorstellen: Geplant war Anfang Dezember zu gehen. Anfang Dezember war das Auto noch leer. Papiere: kaum welche besorgt. Aber ich war auf unzähligen Homepages und habe dabei sehnsüchtig von Kofis Abenteuern geträumt. Dass man sich dafür auch konkret vorbereiten muss; ach halb so wild. Wer kurz vor der Abreise bei mir war, weiss wovon ich spreche. Das Chaos hat einen Namen (Kofi) und es hat auch ein Bild (Kofis Zimmer, Büro, das Tenn und dann das Innere vom Bussli). Und doch, an Weihnachten ging’s los. Zum Glück noch nicht alleine. Aber eins kann ich euch sagen: Fertig war ich zu dem Zeitpunkt mit dem Einrichten noch lange nicht (also um ehrlich zu sein: ich bin es immer noch nicht und ich habe den Verdacht, dass ich es, wenn überhaupt mal, noch lange nicht sein werde). Bei meinen Eltern, die ja auf dem Weg in den Süden wohnen, ging dann das einrichten weiter. Zum Glück nicht alleine. Die Reise zu zweit wurde dann Anfang Januar fortgesetzt und endete am 19.1 in Malaga, wo ich meine über alles geliebte Begleiterin, Freundin, Geliebte (ihr wisst Frauen sind Multitasking fähig und Männer schätzen das) am Flughafen absetzte, um mich alleine auf nach Afrika zu machen.

Nun. Eben. Ich bin jetzt da. Marokko. Tanger. Noch in Sichtweite. Aber Afrika. Nicht mehr Europa. Eindeutig.

Habe noch ein paar Tage in Tarifa verbracht (jaja... weiter einrichten. Auto und Kopf). Dann mit der Fähre rüber. Von Algeciras nach Ceuta. Die spanische Enklave in Afrika. Da wo bis vor kurzem all die Wohlstandswollenden, mit denen wir aber nicht teilen wollen, an den Zäunen hingen. Mittlerweile ist das Problem gelöst. (Höhere Zäune, rigorose Vertreibungspolitik. U.a. wurden vor ein paar Jahren etwa 500 Menschen mal einfach so an die Grenze der Sahara verfrachtet. Mit nicht viel mehr als sie gerade dabei hatten. Notabene: die Marokkaner machen dies primär auf Druck der EU.) Das heisst verlagert, etwas weiter in den Süden, nach Mauretanien und Senegal. Weiterer Weg, mehr Tote, weniger die ankommen. Das ist die humanitäre Politik Europas. Nur der Starke überlebt! Und wenn sie es tatsächlich bis in die Schweiz schaffen, dann wird nach dem Pass gefragt... Dabei ist jeder, der es bis dahin geschafft hat, willig alles zu tun. Das könnte man auch gescheiter ausnützen... Für mich ging alles ausgesprochen problemlos. Ausser dass ich in Ceuta den Weg nach Marokko zuerst nicht fand. Aber auch dieses Problem lies sich lösen... Und im Gegensatz zu umgekehrt, brauchte ich nicht lange bis sich mir die Tore nach Afrika öffneten. Und auch nicht lange zu warten, oder mich kontrollieren zu lassen oder so. Das Privileg des Negers mit dem richtigen Pass und dem dicken Portemonnaie. Von da nach Tanger, zu den Herkulesgrotten. Tja. Ich hab mir gedacht ein bisschen Symbolik hat noch nie geschadet. Und jetzt, liebe Damen und Herren, sitze ich da und schreibe Euch zum ersten Mal von meinen Abenteuern in Afrika, die bis jetzt keine waren. Die bis jetzt keine waren... Aber ich bin ja auch erst angekommen...

 

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