HULK HOGAN: KING OF SALLY  
     
  WENN EINEM SCHRECKLICHES WIDERFÄHRT  
     
 

Kennt ihr Hulk Hogan? Den blonden, mit Anabolika aufgepeppten Superwrestler aus den 80er und 90er Jahren, dessen Muskelpakete von einer Lederhaut erster Güte umschlossen sind. Nun. Wenn nicht. Eine Bildungslücke sieht anders aus. Wart ihr schon mal in Sally, dem grössten Touristenort an Senegals ansonsten sehr schönen Petite Côte? Auch nicht. Nun. Etwas verpassen sieht anders aus.

Kürzlich war ich in besagtem Sally. Sally hat bis noch vor gar nicht so langer Zeit gar nicht existiert. Es ist eine Retortenstadt, die eigens für den Tourismus gebaut wurde. Für den Massentourismus. Und so sieht sie auch aus. Würden nicht so viele schwarzhäutige Menschen rumlaufen, so wähnte man sich irgendwo am europäischen Mittelmeer.

Nun gut. Wie kommt der Abenteurer Kofi dahin, werdet Ihr fragen. Der Zufall wollte es, dass ich einen jungen Belgier und seine bezaubernde, libanesische Frau kennen lernen durfte, deren Gastfreundschaft ich dann für ein paar Tage ausnützte. Die beiden betreiben eine Firma, die sich „Liqueur de Warang“ nennt und besagtes in besagtem Ort herstellt. Leckeren Likör, wie ich im Übrigen anmerken darf und Warang, ein kleiner Ort in der Nähe von Sally. Falls ihr also mal zufälligerweise über „Liqueur de Warang“ stolpert. Probiert! Auch wenn ihr von den mir leider nicht mehr geläufigen Geschmacksrichtungen nicht gerade überzeugt seid. Es ging mir nicht anders. Aber probieren lohnt sich.

Item. Als Begleitung des Belgiers bei seinem Geschäftsgang durch die verschiedenen Hotels der Petite Côte entlang, kam es, dass wir auch in Sally Halt machten. Er ging seinen Geschäften nach, ich setze mich in eine der teuersten Kneipen vor Ort, genoss echten Cappuccino mit feinsten Pralinés, die dazu gereicht wurden. Es ergab sich, dass das Restaurant am Hafen stand und an dem Hafen und vor allem am angrenzenden Strand die Touristen promenierten und ich ihnen dabei zu schauen durfte. Ein zweifelhaftes Vergnügen. An dem ich euch natürlich gerne teilhaben lasse: Lässt man den Blick so über den Strand schweifen, dann kommt einem unweigerlich der Gedanke, dass man eine Ledergerberei hier eröffnen sollte. Die Lederhauthaut liegt in rauen Mengen rum und muss eigentlich nur noch den Trägern abgenommen werden. Sie scheint gut gefettet, aber doch ordentlich getrocknet, also direkt verwendbar zu sein. Das Leder ist meist in einem künstlich goldbraunen Ton gehalten und die Falten würde bei etwas Straffung, dies ist zum Teil auch bei lebenden Objekten gut zu sehen, sicher auch wieder weggebracht werden. Wenn sich dann einer aus der Masse herausschält und sich auf den Weg mit Ziel Hafen, also meine Richtung, macht, dann kommt er oder auch sie sozusagen auf dem Laufstag entlang und euer Kofi kann sich den Details widmen. Die da wären: Anabolika Müskelchen an Oberarmen, leichter Bauchansatz. Und natürlich Lederhaut. Eigentlich nicht schlecht für die schlappen 60. Oder sieht er älter aus? Aber wieso über den nackten Oberkörper ein eng anliegendes, ärmelloses Netzhemd getragen wird. Ich hoffe, dass weiss der liebe Gott. Selbstverständlich trägt der Herr Adiletten. Und kurze sexy(!?!) Jeanshöschen. Gleich dahinter tritt eine, ohne grosse Umschweife, fette Dame auf den Laufsteg. In transparentes Tuch gehüllt, dass, leider, leider, ihre Formen und den sie einklemmende Badeanzug, mehr betont als verhüllt. Und zu guter Letzt, sozusagen die Brautjungfer, hat auch noch Miss Piggy ihren Auftritt. Kurzer adretter Blondhaarschnitt. Geschätzte 100 kg gleichmässig auf die 160 cm verteilt. In Pluderpinkhosen und einen Pinkschal, um den nicht existierenden Hals geworfen schreitet sie dem Hafen entgegen und ich werd den Eindruck nicht los, dass sie den Weg tatsächlich mit einem Laufsteg verwechselt. Dazwischen gesellen sich immer wieder muskelbepackte Senegalesen, die den Strand rauf und runter joggen. Schweissgenässt, lassen sie ihre Muskeln hüpfen, immer darauf bedacht, dass ihnen auch noch andere ausser meiner Wenigkeit dabei zu schauen. Tja. Und da kann man dann beobachten wie sich Miss Piggy verstohlen den Sabber aus dem Mundwinkel wischt und heimlich ihr Portemonnaie konsultiert, ob sie sich für heute so einen Herrn auch leisten kann. Und schliesslich kommen Herr und Frau Europa mit Bekannten, die sich alle mal wieder was geleistet haben zu Tisch. Die Herren in Turnschuhen, weissen Tennissocken, kurzen Hosen und einer Anlehnung an Magnums Hawaiihemd. Die Damen in kurzen Stretchhosen, Birkenstöcken und nun sagen wir es nett: locker über den Oberkörper fallendem T-Shirt. Betont lässig fläzen sie sich in die Stühle und bestellen ihre Drinks. Dazu werden Oliven gereicht. Die mit schalem Blick betrachtet werden, da unklar scheint ob diese dem europäischen Sauberkeitsstandard gerecht werden und dem europäischen Magen nichts antun. Nach kurzer Beratung wird der Versuch gestartet sich dieser schlüpfrigen Dinger zu bemächtigen. Mit Zahnstocher scheint dies gar nicht so einfach zu sein.

 

Doch jedes Vergnügen, auch ein zweifelhaftes hat ein Ende. Mein belgischer Bekannter kommt und ich schlürfe meine zweite Tasse Cappuccino zu Ende, lasse ungeschickter Weise ein Pralinés über den Tisch kullern und tue dann betont lässig als ob nichts wäre, um es dann doch verstohlen in meinen sabbernden Mund zu stecken. Und Hulk Hogan? Er war leider nicht da. Aber er wäre auf jeden Fall mein King of Sally.

 

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