MAROKKO - MACHT LAUNE  
     
  GEDANKENSCHNIPPSEL. TEIL II  
     
 

Die Menschen, die in dieser beeindruckenden Landschaft leben, sind mir in grosser Mehrheit sehr freundlich begegnet. Vom Polizisten bis zur Marktfrau. Vom Kellner bis zum Campingplatz-Aufseher. Hilfsbereit, geduldig, unaufdringlich. Die zudringlichen Pseudo-Guides, Teppichverkäufer und Souvenirhändler habe ich entweder elegant umgangen oder es gibt sie kaum mehr. Vielleicht ist mir der eine oder andere über den Weg gestolpert, aber der ist in der Masse an Freundlichkeit kaum der Rede wert. Mit marokkanischen Frauen habe ich, ausser, dass ich sie geschaut habe, kaum zu tun gehabt. Sie sind zwar im Strassenbild präsent, aber selten arbeitstechnisch. Soll jetzt nicht heissen, dass die nichts tun... Aber ihre Arbeit liegt wohl eher im häuslichen Bereich. Man kann zwar feststellen (vor allem in Rabat. Ich denke beispielsweise in Casablanca noch viel mehr, aber da war ich ja nicht), dass sich dies langsam ändert, aber gerade im ländlichen Bereich (z.B. bei der Berberfamilie oder auch in Südmarokko) wird das öffentliche Leben klar von Männern beherrscht. Frauen flanieren, gehen einkaufen, aber arbeiten höchst selten (zumindest hab ich es nicht gesehen. Ausser natürlich auf dem Markt...) in der Öffentlichkeit. Kein Wunder können doch nur etwas mehr als ein Drittel der weiblichen Bevölkerung lesen und schreiben... Geschuldet ist dies vor allem König Hassan II. Einem gestrengen Despoten, dessen Sohn Mohammed VI (seit 1999) doch etwas moderater vorgeht und eingesehen hat, dass es nicht nur schädlich sein muss, wenn Frauen lesen und schreiben können (wobei auch er, wie viele andere auch, es wohl lieber hätte, wenn sie ihm weiterhin vor allem seinen Allerwertesten putzen, weil er dazu selbst nicht fähig ist...). Nun genug der Politik.

 

Ah. Doch noch was. Die Religion. Islam. Also ich mag Religion ja eh nicht besonders. Diese unsägliche Selbstverständlichkeit mit der einfach angenommen (und es ist ja nicht mehr als eine Annahme... Glaube bedeutet doch: ich nehme an, dass... oder?) wird, dass man als Einzige die Wahrheit mit Löffeln gefuttert bekommen hat (weil selber denken: Luxus). Ob das jetzt bei gewissen Christen, Moslems oder SVPlern ist. Vor allem solche mit nur einem Gott (sei es nun der Liebe, oder der Christoph) neigen doch des Öfteren zur Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, Überhautpdenkenden oder, meinetwegen auch Andersgläubigen. Nun. Ganz klar. Marokko ist islamisch. Nicht Terror. Im Gegenteil (Was das auch immer heissen mag, aber es ist schon erschreckend mit unseren Vorurteilen. Da erschiessen ein paar duchgeknallte Marokkaner vier Franzosen und Mauretanien wird zum gefährlichen Staat. Inklusive Reisewarnung vom EDA! Wäre mal interessant die Mord- und Raubstatistiken von Marokko oder eben Mauretanien mit europäischen Ländern zu vergleichen...). Alkohol gibt’s nicht überall. Freitagnachmittag einkaufen oder Behördengänge ist eher eine dumme Idee. Auf jeden Fall wird dem heiligen Buch seriöser nachgelebt (Ausnahmen bestätigen die Regel. Besoffene zum Beispiel...), als weiter südlich. Aber was soll’s. Ich bin Mann. Alkohol krieg ich. Und ich kann mein Zeugs auch am Samstag machen. Also mir egal. Solange mich keiner bekehren will. Und mich leben lässt. Und leben lassen sie einen hier. Sehr gut sogar.

Zum Beispiel mit dem vorzüglichen Essen, das man hier serviert bekommt. Es ist nicht so sensationell, wie ich erhofft hatte, aber vielleicht hatte ich auch zuviel erwartet. Es gibt Tajine . Allerlei Gemüse mit Fleisch, Fisch oder Geflügel in diesem Tontopf stundenlang gegart. Oft mit Arganöl (Tja. Meine Lieben habt ihr auch schon gehört, vom berühmten Arganöl? Das ist jetzt nämlich ziemlich In. Schmeckt gut und kann man sich auch ins Gesicht schmieren, hilft gegen Falten. ) zubereitet und lecker gewürzt. Da ich ja eher Fan von der scharfen Kost bin, hätte es für meinen Geschmack meist etwas mehr Pfeffer sein dürfen, aber wir wollen mal nicht so sein. Die Tajine, vor allem wenn noch getrocknete Pflaumen oder Aprikosen drin sind, ist meistens lecker. Schmackhafte Couscous sowieso. Naja. Das kennt ihr wohl. Nur. Also glaubt ja nicht, dass das hier so schmeckt, wie wenn ihr da das Fertigzeugs von Supermarkt kauft. Kann schon auch passieren, dass ihr in so ne Tourifalle kommt und das serviert bekommt. Aber meistens ist es viel besser. Mit Rosinen drin und dann noch Poulet dazu, saftig, gut gewürzt. Hmmmm. Und das Beste: Man ist das Zeugs mit Händen. Es gibt noch ein ordentliches Brot dazu und dann happi-happi. Und dann gibt es noch verschiedene andere gute Sachen, aber die müsst ihr schon selber mal probieren. Der immer wieder genüsslich geschlürfte, überall erhältliche, Tee und Kaffee, der halt doch eher was für süsse Gemüter, wie ich es eines bin, ist, sei hier nur noch am Rande erwähnt Apropos Essen und Landschaften. Zu guter Letzt noch: Die Gewürzlandschaften, die sich einem auf den Märkten darbieten sind wahrlich kaum zu übertreffen. Kunstvoll aufgehäufte, farbige Berge strahlen um die Wette und manchmal würde man sich am liebsten einfach in diese Pracht hineinwerfen und drin rumwühlen. Nicht dass dies gesund, cool, schön anzuschauen oder so wäre, aber damit man spüren würde: ja das ist echt! Nicht einfach ein Bild.

Ach ja. Hippies. Gibt’s die noch?

 

 

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