OUTDOORSTUHLGANG  
     
  EIN KLEINES GROSSABENTEUER  
     
 

Vorhin war es zum ersten Mal soweit, dass ich die Vorhänge zog (Oh ja. Ich habe Vorhänge. Meiner Geliebten sei dank. Und ich bin froh drum, Vorhänge zu haben. Und ich find Vorhänge praktisch und überhaupt nicht bieder oder nur ein kleines bisschen...), bevor es dunkel war. Nicht zum ersten Mal, dass ich drinnen sitze. Denn manchmal herrschen auch im Süden draussen Bedingungen, die einen lieber drinnen sitzen lassen. Ja ja. Ich hör es schon. „Aber bei uns schneit es“, „die ganze Zeit Nebel“ oder so ähnlich. Aber ich sag euch: 25 Grad Celsius und Strand nützen nichts, wenn es so heftig windet, dass man innerhalb kurzer Zeit gesandstrahlt ist. Da vergeht einem die gute Laune, die man noch hatte als man im Auto sass und dachte: Schöner Strand, da mach ich es mir gemütlich. Man parkiert: Mal so rum. Mal so rum. Dann da hin. Oder vielleicht ist hier besser. Und dann nimmt man zum x-ten Mal den Gemütlichstuhl, inklusive den Beinhochlagerstuhl, die Chipstüte, das Buch und setzt sich voller Hoffnung hin. Und denkt: Doch hier geht’s. Aber Irrtum. Der Wind hat nur gerade Pause gemacht. Und so endet man dann schlussendlich eben im Auto.

 

Bei einer marokkanischen Flasche Wein, marokkanischem Brot, spanischer Wurst und französischem Käse. Liest sein Buch in aller Ruhe und zieht, schon bevor die Sonne wirkungsvoll im Atlantik versunken ist, die Vorhänge. Aber die Welt kann jetzt mal draussen sein und warten. Ich bin hier drinnen und will in Ruhe was essen und mich ein bisschen betrinken. Beides gelingt auch sehr gut. Lustig (wenn es Zuschauer gäbe) und anspruchsvoll (für mich), wird es, wenn die menschlichen Bedürfnisse nach Befriedigung rufen. Na ja. Da bleibt Mann noch standhaft beziehungsweise bleibt einfach sitzen und verdrängt. Aber früher oder später (und da die Flasche Wein immer leerer wird, eher früher als später) werden die Bedürfnisse dringend. Nun. Ihr denkt jetzt vielleicht, was macht der für ein Geschrei. Soll einfach schnell raus und pissen und Ende. Tja. Das hab ich auch gemacht. Aber als der Abend länger wurde, machte sich ein anderes Bedürfnis bemerkbar. Nun. Lacht nur. Ihr, die ihr zuhause vor eurer Kiste sitzt mit einem Glas Wein oder so. Aber Outdoorstuhlen (ich liebe die Synonyme, die mir Word ab und zu hinwirft. Notabene. Für Kacken oder Scheissen gibt es keine...) ist für den zivilisationsverwöhnten Kofi ein Abenteuer. Kein riesiges, aber ein richtiges. Also. Da muss man sich mal aus dem Auto rauskämpfen. Ihr müsst dazu wissen: Es hat hier am Strand viele, böse Moskitos. Und die will ich ja nicht im Auto (da ich wegen dem Wind im und nicht auf dem Auto schlafe). Also nur eine Flügeltüre aufmachen. Und dank der Kisten, die meine Kleider und mein Essen beinhalten und dank dem Wein, den ich beinhalte, ist der Ausstieg durch die kleine Öffnung in dem grossen Auto nicht ganz einfach. Stolperstolper, steh ich draussen. Nun, eine Schaufel. Schliesslich soll die Kacke nicht allzu sehr dampfen, sondern ordentlich eingegraben werden. Das heisst aufs Dach kraxeln, Kiste öffnen, Schaufel rausnehmen. Gelingt alles zur eigenen Überraschung relativ elegant. Das Ganze, im Übrigen, in stockdunkler, sternenklarer Nacht. Nun kommt die Qual der Wahl. Soll heissen, ich bin an einem Stand in der Westsahara. Ziemlich endlos. Und ich kann mich entleeren wo ich will. Keine Anschrift, die besagt: hier WC. Hier Geschäft erledigen. Einfach Strand, der sowieso schon voll von Kamelscheisse ist. Das nenn ich Freiheit! Scheiss-Freiheit! Nach ein paar Metern scheint der Sicherheitsabstand zum Auto gross genug (es soll ja verhindert werden, dass ich morgen... na ja ihr wisst schon). Loch graben und hoffen dass man auch trifft. Bingo. Uff. Getroffen. Tja Und dann kann man sich das Ergebnis der Anstrengung mal in Ruhe anschauen, wenn man Lust dazu hat. Ohne dass es verwässert wird oder sowieso schon verschwunden ist. Und die Kacke ist wahrlich am dampfen. Ich bin geneigt zu schreiben: Herrlich. Aber irgendwie unpassend, nicht wahr. Was soll’s: das Geschäft ist erfolgreich beendet. Glückstränen kullern mir übers Gesicht, freudig und entsprechend erleichtert stapfe ich zurück zu meinem Bussli, um den Rest der Flasche Wein zu trinken.

 

 

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