ZEBRABAR  
     
  WEILE - OHNE EILE  
     
 

Westafrika – Senegal. Endlich. Und wo bin ich da? Wo entspannt sich der Afrikareisende, wenn er meint die erste Etappe seines Abenteuers hinter sich gebracht zu haben? Natürlich... In der Zebrabar. Die Zebrabar – schon fast ein bisschen legendär. Fährt man los hat man schon was von ihr gehört und unterwegs trifft man auf Leute, die dort waren und die Meisten setzen voraus, dass man sie kennt. Was so speziell an dieser Zebrabar sein soll? Nun. Gerüchten zufolge soll sie sehr schön gelegen sein, mit einer entspannten Atmosphäre gesegnet, halt so eine Art Ruhepol inmitten des Aufregers Afrika.

Nun. Ich bin jetzt da. Schön gelegen ist sie, diese Bar. Man kann nett campieren, es gibt nettes Essen. Es gibt Bier. Die Preise sind in Ordnung. Die Toiletten und Duschen sind sauber und funktionieren. Beine Hochlagern ist angesagt. Beine Hochlagern, Bier trinken, Buch lesen, Anderen zu schauen. Und da gibt’s ja immer wieder was zu sehen. Und da die Zebrabar unter Afrikareisenden bekannt ist, kommt allerlei daher und hört man so allerhand.

LKW-Fahrer, die alle Vorräte von zu Haus mitgenommen haben. Für 3 Monate. 10 kg Kartoffel, Fleisch eingefroren und in den LKW-eigenen Tiefkühler und so weiter. Tja. Unglaublich, aber wahr. Ein italienisches Pärchen im Land Rover, die 150 Kg Pasta in ihr Auto gestopft haben für ihre jährige Afrikaumrundung. Top-Ausgerüstete Alleinreisende mit LandCruiser, die jetzt zu wenig Geld für die Umquerung haben (hüstel, hüstel). Dann gibt es so genannte Rallyes. Meist sind das organisierte Touren, die vorgeben einem guten Zweck zu dienen (Schrottauto nach Afrika bringen und dann für eine wohltätige Organisation versteigern. Stichwort: „Mission Humanitaire“. Da hab ich doch tatsächlich Einen fluchen gehört, dass alle Beamten ständig was von ihnen wollen. Die Karre war voll mit T-Shirt, Fussbällen usw. Und er erklärt dann auch, dass ja jeder was bekomme, aber erst nach getaner Arbeit. Aber eigentlich seien sie ja auf einer „Mission Humanitaire“ und sollten einfach durchgewinkt werden. Als ob irgendjemand hier auf Arschlöcher wartet), aber eigentlich nur dazu da sind, irgendwelchen Pauschaltouristen mit Aussteigerdrang das Gefühl von Abenteuer zu vermitteln. Es gibt dann auch die Spass-Rallyes. Die prahlen nicht so mit humanitärem Zeugs rum. Da ist der Fun-Faktor wichtig. Und die sind oftmals auch nicht unsympathisch (Stickwort: „Hey you with the funny face“.) Es gibt Hobby-Autoschieber, die eigentlich einer geregelten Arbeit nachgehen, aber es einfach nicht sein lassen können und jedes Jahr wieder mal mit irgendeiner Karre aufbrechen und schauen, ob sie denn tatsächlich am Ziel ankommen. Motorradfahrer: Ja. Die harten Kerle. Die meist im Zelt am Boden übernachten. Und die ganz Harten, fliegen zwei Mal kurz nach einander auf die Schnauze und beim zweiten Mal brennt dann doch tatsächlich der BMW. Und dann wird das verbrannte Motorrad in die Zebrabar transportiert und... die beiden Engländer sind mittlerweile mit ihren Motorrädern wieder nach Hause gefahren. So gibt’s immer wieder was zu schauen und zu staunen.

Auch über sich selbst. Da bin ich. Mit tollem Auto, tollem Zeugs im Auto. Aber darf feststellen, dass ich wohl nicht genügen werde, um die Reise zu einer Afrikareise werden zu lassen. Westafrika muss genügen. Dass ich alleine weder den Mut noch die Mittel für ganz Afrika habe. Und zu guter Letzt muss ich mein super-billiges Zimmer bis Ende September räumen, weil das Haus dann mal abgerissen wird... Aber was soll’s! Ich bin da! Träume sind Schäume und ich lebe meinen Traum und bade im Schaum. Auch wenn die Realität mit dem Wachtraum nicht mehr viel gemeinsam hat. Ich geniesse den Luxus, den mein super ausgerüstetes Auto bietet. Das Müesli, das ich mir jeden Tag dank Kühlschrank zubereiten kann. Die Musik vom MP3-Player (kein I-Pod...), die Filme vom Laptop, das bequeme, gut durchlüftete Dachzelt, den Platz im Auto. Und die schlichte Tatsache, dass ich jetzt da bin. In der Zebrabar. Mit Zeit gesegnet. Und mit neuem Ziel vor Augen. Halt nicht ganz Afrika, halt Westafrika. Nicht Gabun, Namibia und so. Nein. Fouta Djalon, Sierra-Leone! Regenzeit, Traumstrände, Wasserfälle. Darauf freu ich mich. Und ich bin gespannt was die kommenden Wochen, Monate bringen, bis ich dann im September wieder zurück im Schweizerländle bin. Pleite, auf Arbeitssuche und ohne wirkliche Bleibe... Dafür mit gesunder Bräune im Gesicht (noch gesünder als sonst...) und um ein kleines Abenteuer reicher.

 

 

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